Der Name "Fahler" – Mythen & Etymologie

Wer nach dem Ursprung des Namens "Fahlerkerb" sucht, stößt auf kuriose Theorien. Um das Jahr 1903 wurde in der Zeitschrift Nassovia sogar die These verbreitet, es handele sich um eine "keltische Haßmordfeier" (abgeleitet von irisch fal = Haß, lore = Mord). Diese abenteuerliche Erklärung entpuppt sich bei genauerer historischer Betrachtung jedoch als reines Hirngespinst.

Die Fahlerkerb zu Rettert - Etymologie
Illustration aus „Die Fahlerkerb zu Rettert“

Die wahre Herkunft: Das Falltor (Fahl-Tor)

Die sprachwissenschaftliche Forschung zeigt ein ganz anderes Bild:

Das "Falltor" (Fahl-Tor): Der Begriff leitet sich vielmehr vom mittelhochdeutschen Wort für das Falltor (verschließbares Tor an den Dorfeingängen und Bannzäunen) ab. Die Einwohner von Rettert sagen noch heute: "Isch gehn ens Fahler".

Das Wort "Fahler" ist nicht zu verwechseln mit dem Pfahl! Im Einricher Dialekt wird das hochdeutsche Wort "Pfahl" konsequent als "Pohl" ausgesprochen (wie auch der Ort Pohl). Der Begriff "Fahler" leitet sich somit keineswegs von einem Bannpfahl ab.

Das "Fahler" bezeichnete schlicht das Flurstück unmittelbar vor dem Falltor – also außerhalb der schützenden und kontrollierten Dorfgrenzen (Bannzäune). Da die Laufenseldener als hessische Untertanen das nassauische Dorf Rettert nicht ohne Weiteres für Feierlichkeiten betreten durften, tanzten sie zum Kirchweihfest (Kirmes, Kerb) kurzerhand direkt vor dem Falltor auf dem "Fahler".